Tue 20 Mar 2007
texte
Filed in Uncategorized |unter den brücken vom wienfluss öffnen sich finstere löcher, gänge die sich in den bauch der stadt bohren und den schritten an der oberfläche folgen. sie bahnen sich immer wieder neue wege, unter die strassen unter die häuser.
in meinem bett blühten seit langer zeit rote blumen, die beim ausbreiten der knospen ächzende geräusche machten. ein knattern und aufplatzende gerüche.
eine alte frau wohnt im wienfluss. sie geht in einem langen pailettenkleid durch schlupflöcher und kanäle, ein kleid welches an ihren breiten hüften zu bersten droht und den buckligen rücken herausquellen lässt
und sie horcht meinen blumen zu, wenn ihr duft aufplatzt, wenn sie krächzen. ein silbriger schleier geht ihrem blick voraus und an den wänden reibt sie steinerne krusten von ihren armen ab.
und sie flüstert. sie flüstert ihnen zu, meinen blumen, damit sie wachsen, sich übers bett ausdehnen, aufplatzen, ranken von sich schleudern. tiefrote adern.
der fluss hat eine weise blume geboren und die frau hat sie übersehen. bis sich ein ganz neuer duft an ihren brüchigen pailetten geschmiegt, durch ihre nase gedrängt hat, ein surren das knattern überflüstert. jetzt läuft sie durch die gänge und schreit mir finstere sprüche durch den boden und überall spriesen sie, weise blumen, klein, weiß. und dennoch bilden sie ein netz in dem sich die alten knöchel verknoten. ihre knie reiben sich im schlamm auf. ihre hände reissen die triebe, greifen nach den keimen. das surren wird dichter, das netz zu einem bett, der fluss ist voll, die eingänge versperrt, die frau vergraben. noch raschelt es, noch ein fluch, bis langsam eine blume welkt, eine andere ihr folgt, das bett zerfallt.
der fluss läuft weg, mein bett hat aufgehört zu platzen.

